20.06.2009
US-Senat entschuldigt sich förmlich für Sklaverei
Fünf Monate nach dem Amtsantritt des ersten farbigen US-Präsidenten hat sich der US-Senat förmlich für das Unrecht von Sklaverei und Rassendiskriminierung entschuldigt. Die mit parteiübergreifender Mehrheit verabschiedete Erklärung erkennt im Namen des ganzen Kongresses ausdrücklich "die fundamentale Ungerechtigkeit, die Grausamkeit, die Brutalität und die Unmenschlichkeit der Sklaverei" an.Bild vergrößernDie Resolution enthält außerdem eine Entschuldigung für die sogenannten Jim-Crow-Gesetze: Damit gemeint sind jene Gesetze und Vorschriften, in denen die systematische Diskriminierung farbiger US-Bürger auch nach der formellen Abschaffung der Sklaverei 1865 bis weit hinein ins 20. Jahrhundert rechtsverbindlich festgeschrieben war.Die Erklärung muss noch von der zweiten Kongress-Kammer, dem Repräsentantenhaus, verabschiedet werden; dies galt als Formsache. Der Text spricht die Entschuldigung "im Namen des amerikanischen Volkes" aus. Sie richtet sich ausdrücklich an Afroamerikaner, "die selbst oder deren Vorfahren Unrecht durch die Sklaverei und die Jim-Crow-Gesetze erlitten haben".Die Resolution appelliert zudem an alle Bürger, "ras
sistische Vorurteile, Ungerechtigkeit und Diskriminierung zu eliminieren". Ein Passus in der Vorlage schreibt ausdrücklich fest, dass die Entschließung nach ihrer Verabschiedung nicht als Rechtsgrundlage für Entschädigungen an Opfer von Sklaverei und Rassismus oder deren Nachfahren verwendet werden dürfe.In der Senatsdebatte sagte der Initiator des Entwurfs, der demokratische Senator Tom Harkin: "Eine Entschuldigung für Jahrhunderte brutaler Entmenschlichung kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen." Das Eingeständnis der Fehler und eine formelle Entschuldigung könnten aber helfen, "die Wunden einer Nation zu verbinden, deren Wurzeln in die Sklaverei reichen".Diehaben sich nie formell für das Unrecht der Verschleppung und Versklavung von Afrikanern entschuldigt. Eine entsprechende Vorlage war vor einem Jahr im Repräsentantenhaus verabschiedet worden, dann aber vom Senat blockiert worden. Der damalige US-Präsident Bill Clinton hatte bei einem Afrika-Besuch 1998 sein Bedauern über die Sklaverei geäußert, sein Nachfolger George W. Bush hatte 2003 ebenfalls in Afrika von "einem der größten Verbrechen in der Geschichte" gesprochen.


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